Dienstagsgedichte - Vierzig
Vom Bemuttern und Bevatern
Gestern wartete ich auf meine Tochter, die ich zum Musikunterricht begleitet hatte. Ich wartete darauf, dass sie fertig war und ich sie wieder nach Hause begleiten konnte.
Diesmal war es schön.
Eine Mutter spielte mit ihrem Kleinkind verstecken. Es quietsche vor Freude, wenn es seine Mutter hinter einer Säule entdeckt hatte. Eine junge Frau zeichnete etwas und ein Mädchen machte seinen Papa darauf aufmerksam: Papa, guck mal, wie schön die Frau malen kann. Dem Vater war es ein bisschen peinlich, doch das Mädchen gab nicht auf: Papa! Guck doch mal! Wie schön!
Papa guckte.
Eine Frau mit Baby setzte sich neben mich. Sie bot ihm die Brust an und das Baby gab mir einem “Hmmhmm”- Laut zu verstehen, wie gut es war, gerade jetzt trinken zu dürfen.
Es war, als wäre man Teil eines Clans, der sich für eine gemeinsame Aufgabe zusammengefunden hatte: Der Aufzucht der Kinder.
Gibt es für diese wichtige Arbeit eigentlich ein besseres deutsches Wort?
Bemuttern
Bemuttern - Ist das etwas Gutes? Und was macht die Mutter sonst? Leben geben, lachen machen Worte, die trösten, Wärmeflaschen? Ist es einfach Liebe geben Ohne jeden, aber ich weiß - Und das ist sehr wichtig!- Auch nicht um jeden Preis! Es ist auch mal bestimmend sein, Dann wieder fühlt man sich hinein Und ist das Pflaster nicht zur Hand Macht Mama schnell einen Verband! Es ist Alles aber nicht zu viel, Nichts von Gestalt, aber mit Gefühl. Es ist wie Gärtnern ohne Garten, Es ist Aufs-Älter-Werden warten. Heißt es bei Papa auch - bevatern?
Ich wünsche Euch eine behütete Woche voller Kindereien!
Eure Wiebke


